Bei meinem Termin bei Pharmachem in Pößneck konnte ich einen wichtigen pharmazeutischen Betrieb aus unserer Region näher kennenlernen und mich über die aktuellen Herausforderungen der Branche austauschen. Der Besuch hat erneut deutlich gemacht, wie viel unternehmerische Erfahrung, persönliche Verantwortung und tägliches Engagement hinter einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen stehen.
Pharmachem blickt auf eine lange Tradition der Arzneimittelherstellung in Pößneck zurück. Bereits in den 1960er Jahren wurde in der Oberen Stadtapotheke mit der Herstellung von Augen und Nasentropfen begonnen. Aus diesen Anfängen entwickelte sich über mehrere Jahrzehnte ein eigenständiger pharmazeutischer Produktionsstandort. Die heutige Pharmachem GmbH & Co. KG wurde im Jahr 2007 gegründet, um die Arzneimittelproduktion der damaligen Pharma GmbH Pößneck zu übernehmen und weiterzuentwickeln.
Heute stellt das Unternehmen unter anderem Arzneimittel, Medizinprodukte und kosmetische Erzeugnisse her. Innerhalb der Firmengruppe von Hofmann & Sommer hat sich der Standort Pößneck besonders als Kompetenzzentrum für Salben, Cremes und Emulsionen etabliert. Zudem arbeitet Pharmachem als Lohnhersteller für verschiedene Vertragspartner. Damit verbindet das Unternehmen pharmazeutische Tradition mit moderner Produktion und einem breiten Leistungsspektrum.
Das Lebenswerk von Dr. Ernst Josef Strätling
Untrennbar mit der Entwicklung des Unternehmens verbunden ist Dr. Ernst Josef Strätling. Sein beruflicher und unternehmerischer Lebensweg ist beeindruckend. Er hat sein Berufsleben der Chemie, der Forschung und der pharmazeutischen Industrie gewidmet und dabei immer wieder Verantwortung übernommen.
Nach seiner Ausbildung und seinem Studium arbeitete Dr. Strätling über viele Jahre in unterschiedlichen leitenden Funktionen der pharmazeutischen Industrie. Nach der Wiedervereinigung entschied er sich bewusst für den Schritt in die unternehmerische Selbstständigkeit. Gemeinsam mit seiner Frau Elisabeth und weiteren Wegbegleitern baute er die Firmengruppe Hofmann & Sommer auf und entwickelte sie kontinuierlich weiter.
Mit großem Fachwissen, Beharrlichkeit und unternehmerischer Weitsicht gelang es ihm, traditionelle Arzneimittel zu erhalten, neue Produkte zu entwickeln und verschiedene pharmazeutische Unternehmen in einer leistungsfähigen Firmengruppe zusammenzuführen. Im Jahr 2007 kam der Produktionsstandort in Pößneck hinzu. Forschung, Entwicklung, Produktion und der Aufbau verlässlicher Vertriebsstrukturen waren dabei stets wichtige Bestandteile seiner Arbeit.
Dieses Lebenswerk verdient große Anerkennung. Es zeigt, was entstehen kann, wenn fachliche Kompetenz, Mut und langfristiges Denken zusammenkommen. Dr. Strätling hat nicht nur Unternehmen aufgebaut und weiterentwickelt. Er hat auch Arbeitsplätze gesichert, pharmazeutisches Wissen bewahrt und Verantwortung für die Region übernommen.
Besonders bemerkenswert ist, dass für ihn unternehmerische Verantwortung nie nur eine Frage von Zahlen und wirtschaftlichem Erfolg war. Der Blick auf die Beschäftigten, die Standorte und die Zukunft der Unternehmen gehört ebenso zu seinem Verständnis von Unternehmertum. Solche Unternehmerpersönlichkeiten sind für Thüringen und für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung.
Pharmazeutische Unternehmen brauchen verlässliche Bedingungen
Im Gespräch wurde deutlich, dass pharmazeutische Unternehmen unter besonderen Bedingungen arbeiten. Hohe Anforderungen an Qualität, Sicherheit und Dokumentation sind in dieser Branche notwendig. Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, dass Arzneimittel sicher hergestellt und sorgfältig kontrolliert werden.
Gleichzeitig dürfen notwendige Regeln nicht zu unnötig komplizierten, mehrfachen oder widersprüchlichen Verfahren führen. Gerade mittelständische Unternehmen verfügen nicht über unbegrenzte personelle und finanzielle Ressourcen. Jede vermeidbare Meldepflicht, jedes doppelte Verfahren und jede unnötig lange Bearbeitungszeit bindet Fachkräfte, die an anderer Stelle dringend gebraucht werden.
Beschäftigte sollen ihre Zeit möglichst für Forschung, Entwicklung, Produktion und Qualitätssicherung einsetzen können. Wenn immer mehr Arbeitszeit in vermeidbare Verwaltungsabläufe fließt, wird dies zu einem echten Wettbewerbsnachteil. Das betrifft nicht nur die Unternehmen selbst. Es kann langfristig auch Investitionen, Innovationen und die Versorgung mit Arzneimitteln erschweren.
Bürokratieabbau mit Augenmaß
Für mich ist deshalb klar, dass wir beim Bürokratieabbau schneller und konsequenter vorankommen müssen. Bestehende Vorschriften und Verfahren müssen regelmäßig darauf geprüft werden, ob sie ihren Zweck noch erfüllen, ob sie verständlich sind und ob sie effizienter gestaltet werden können.
Bürokratieabbau bedeutet dabei nicht, Standards bei der Arzneimittelsicherheit oder beim Schutz der Patientinnen und Patienten abzusenken. Es geht vielmehr darum, Vorschriften übersichtlicher zu gestalten, Zuständigkeiten klar zu regeln und unnötige Doppelarbeit zu vermeiden.
Digitale Verfahren müssen tatsächlich zu einer Entlastung führen. Unternehmen dürfen nicht gezwungen sein, dieselben Angaben mehrfach an unterschiedliche Stellen zu übermitteln. Genehmigungsprozesse müssen transparent, nachvollziehbar und innerhalb verlässlicher Fristen abgeschlossen werden. Nationale und europäische Regelungen müssen besser aufeinander abgestimmt sein.
Auch neue gesetzliche Vorgaben sollten stärker auf ihre praktischen Auswirkungen für kleine und mittelständische Unternehmen geprüft werden. Gute Politik muss nicht nur festlegen, welche Ziele erreicht werden sollen. Sie muss auch darauf achten, dass die Umsetzung in der betrieblichen Praxis funktionieren kann.
Mittelstand und pharmazeutische Produktion in Deutschland stärken
Unternehmen wie Pharmachem zeigen, dass pharmazeutische Produktion auch außerhalb der großen Konzerne erfolgreich möglich ist. Gerade mittelständische Betriebe verfügen häufig über besondere Fachkenntnisse, langjährige Erfahrung und eine enge Bindung an ihre Standorte.
Diese Unternehmen leisten einen wichtigen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und zu sicheren Arbeitsplätzen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, pharmazeutische Produktionskapazitäten und entsprechendes Wissen in Deutschland zu erhalten. Angesichts internationaler Abhängigkeiten ist dies von großer strategischer Bedeutung.
Deutschland muss wieder ein attraktiverer Standort für Produktion, Forschung und Investitionen werden. Dazu gehören bezahlbare Energie, eine leistungsfähige Infrastruktur, ausreichend Fachkräfte und ein wettbewerbsfähiges Steuersystem. Ebenso entscheidend sind jedoch schnelle Entscheidungen, verständliche Regeln und eine Verwaltung, die wirtschaftliche Entwicklung ermöglicht.
Wertvoller Austausch vor Ort
Der Besuch bei Pharmachem hat mir erneut gezeigt, wie wichtig der direkte Austausch mit den Unternehmen in unserer Region ist. Politische Entscheidungen wirken sich ganz konkret auf betriebliche Abläufe, Investitionen und Arbeitsplätze aus. Deshalb müssen die Erfahrungen der Unternehmerinnen und Unternehmer sowie der Beschäftigten stärker in politische Entscheidungsprozesse einfließen.
Mein Dank gilt Dr. Ernst Josef Strätling sowie allen Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartnern bei Pharmachem für die interessanten Einblicke und den offenen Austausch.
Das beeindruckende Lebenswerk von Dr. Strätling steht für Fachwissen, Ausdauer, Mut und Verantwortung. Gleichzeitig richtet der Besuch den Blick nach vorn. Pharmazeutische Unternehmen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen und deutlich weniger unnötige Bürokratie. Dafür werde ich mich auch weiterhin einsetzen.


